
Schönheit im Alltäglichen – Der kunstvolle Gullydeckel von Baja
Manchmal begegnen wir der Schönheit an Orten, an denen wir sie am wenigsten erwarten. In Baja, einer Stadt in der ungarischen Provinz Tolna, habe ich einen Gullydeckel entdeckt, der mich innehalten ließ. Statt einer schlichten, funktionalen Platte aus Metall zeigt er ein kunstvolles Relief: Adam und Eva, in der Mitte der Baum, rechts und links der Schriftzug Baja. Ein kleines Kunstwerk mitten auf der Straße, oft übersehen und doch ein stilles Zeugnis dafür, dass selbst das Alltägliche einst mit Sorgfalt und Ästhetik gestaltet wurde.
Solche Details erzählen von einer Zeit, in der Schönheit und Funktionalität noch keine Gegensätze waren. Stadtmöblierung, Architektur, selbst Gebrauchsgegenstände – alles wurde mit einem Sinn für Ästhetik geschaffen. Heute dominiert das Zweckmäßige. Gullydeckel sind meist nur noch runde, graue Scheiben mit einem Standardmuster. Fassaden sind glatt, steril und austauschbar. Kaum jemand nimmt sich noch die Mühe, das Alltägliche schön zu gestalten.
Doch warum? Warum glauben wir, dass Schönheit ein Luxus ist, den wir uns nicht mehr leisten können? Gerade in einer Zeit, in der vieles kalt und funktional wirkt, wäre es wichtiger denn je, die kleinen, unerwarteten Kunstwerke des Alltags zu bewahren – oder neue zu schaffen. Denn sie erinnern uns daran, dass Ästhetik nicht überflüssig ist, sondern unsere Umgebung und damit unser Leben bereichert.
Vielleicht lohnt es sich, beim nächsten Spaziergang die Augen offenzuhalten. Wer weiß, welche vergessenen Schönheiten noch darauf warten, entdeckt zu werden?

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