
Es ist ein seltsames Land, dieses Deutschland.
Ein Land, in dem man jedes Jahr aufs Neue sein Geschlecht ändern darf – inklusive Vornamen, Eintrag im Ausweis, offizieller Anerkennung.
Ohne Gutachten. Ohne große Prüfung.
Eine schlichte Selbsterklärung genügt.
Selbstbestimmung heißt das. Klingt fortschrittlich.
Aber wehe, man möchte einen Künstlernamen eintragen lassen. Einen Namen, unter dem man arbeitet, auftritt, veröffentlicht. Einen Namen, der längst auf Flyern, Covern und Webseiten steht. Einen, mit dem man sich identifiziert.
Dann wird es plötzlich still im Amt.
🎭 Der Künstlername – das ungeliebte Stiefkind der Identität
Plötzlich muss man alles belegen.
Nicht nur eine Gewerbeanmeldung.
Nicht nur Veröffentlichungen, Signaturen, Sichtbarkeit.
Nein – man muss „überregionale Relevanz“ nachweisen. Und ein „überwiegendes öffentliches Interesse“.
Sonst? Keine Chance.
Wer entscheidet das?
Eine Sachbearbeiterin mit Tee auf der Tastatur.
Ein Beamter, der mit dem Lineal misst, was als „Kunst“ zählt.
Ein Amtsleiter, der fragt: „Hat da auch mal ein Radiosender drüber berichtet?“
Man kommt sich vor wie bei einer stillen Castingshow, bei der niemand klatscht – und am Ende steht da das Schild:
„Künstlernamen verboten.“
⚖️ Gleiche Rechte – aber nur für manche?
Wie kann es sein, dass man Identität heute in einem Bereich völlig frei gestalten darf, während im anderen ein Wust an Nachweisen verlangt wird?
Warum ist das Empfinden eines neuen Geschlechts unantastbar, aber das Empfinden eines Künstlernamens bürokratisch irrelevant?
Warum darf sich jeder jährlich neu definieren – Frau, Mann, Divers, gar nichts –, aber nicht als jemand, der seine Kunst unter einem Namen lebt?
Was sagt das über ein Land, in dem die Freiheit des künstlerischen Ausdrucks weniger zählt als das Recht auf Geschlechtswechsel?
🗃 Kafka hätte es nicht besser schreiben können
Ein Ausweis, ein Stempel, ein Mensch, der erklärt:
„Das bin ich. So arbeite ich. So kennt man mich.“
Und ein Amt, das antwortet:
„Das sehen wir anders.“
Vielleicht war Kafka kein Fantast.
Vielleicht hat er einfach nur gut zugehört.
Freiheit beginnt dort, wo Menschen sich selbst definieren dürfen –
aber sie endet, wenn die Bürokratie entscheidet,
wer relevant genug ist, um gehört zu werden.

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